Fahrzeug-Technik
10. Mai 20266 min. de lectura
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Andre Muders

EU-Typgenehmigung & FIN / VIN entschlüsseln: Der große Ratgeber zur Fahrzeug-Identifikation

Wie Sie EG-Typgenehmigungsnummern und die 17-stellige Fahrgestellnummer (FIN/VIN) dekodieren. Alle Fakten zu CoC-Papieren, Homologation & Fahrzeugimport.

EU-Typgenehmigung und Fahrgestellnummer auf dem Typenschild eines Fahrzeugs
#EU-Typgenehmigung#FIN Decoder#VIN#CoC-Papier#Fahrzeugimport#EG-Betriebserlaubnis

Beim Kauf eines Gebraucht- oder Neufahrzeugs, beim Import aus dem EU-Ausland oder bei der Vorbereitung der Online-Zulassung stoßen Fahrzeughalter immer wieder auf Fachbegriffe wie EG-Typgenehmigung, 17-stellige Fahrgestellnummer (FIN / VIN) und Übereinstimmungsbescheinigung (CoC). Doch was bedeuten diese Nummern genau und wo sind sie zu finden?

In diesem Leitfaden erklären wir Ihnen den genauen Aufbau von Fahrgestellnummern und EU-Typgenehmigungscodes. Zudem können Sie unser interaktives Tool nutzen, um Ihre Dokumente direkt kostenlos zu entschlüsseln.

⚠️ Wichtiger rechtlicher Hinweis zu Importfahrzeugen:

Bitte beachten Sie: Importfahrzeuge aus dem Ausland (Neu- und Gebrauchtwagen) können derzeit rechtlich und technisch NICHT online über i-Kfz zugelassen werden. Für Auslandsfahrzeuge ist die Zulassung vor Ort bei der Zulassungsbehörde erforderlich. Die Online-Zulassung steht ausschließlich für in Deutschland bereits registrierte Fahrzeuge oder deutsche Erstzulassungen zur Verfügung.

Interaktiver FIN & EU-Typgenehmigungs-Decoder

Nutzen Sie den folgenden Rechner, um Ihre 17-stellige FIN zu prüfen oder eine EG-Typgenehmigungsnummer in ihre Bestandteile aufzuschlüsseln:

Was ist die Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN / VIN)?

Die Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN) – international auch als Vehicle Identification Number (VIN) bezeichnet – ist die weltweit eindeutige Seriennummer eines Kraftfahrzeugs. Seit 1981 ist sie nach dem internationalen Standard ISO 3779 auf genau 17 Stellen genormt.

Stelle Bezeichnung Bedeutung & Inhalt
1 – 3WMI (World Manufacturer Identifier)Weltweiter Herstellercode (z. B. WAU = Audi, WDB = Mercedes-Benz, WVW = Volkswagen, LRW = Tesla China).
4 – 8VDS (Vehicle Descriptor Section)Fahrzeugbeschreibung: Baureihe, Motortyp, Karosserieform und Modellvariante.
9Prüfziffer (Check Digit)Mathematische Kontrollziffer zur Verifizierung der Gültigkeit (insbesondere in den USA & Nordamerika).
10Modelljahr (Model Year Code)Buchstabe oder Zahl zur Kennzeichnung des Modelljahres (z. B. S = 2025, T = 2026).
11Montagewerk (Plant Code)Kennzahl des konkreten Fertigungswerkes des Herstellers.
12 – 17VIS (Vehicle Indicator Section)Fortlaufende Seriennummer des Fahrzeugs.

Wichtiger Hinweis: Um Verwechslungen mit den Ziffern 1 und 0 auszuschließen, sind in standardisierten 17-stelligen FINs die Buchstaben I, O und Q strikt verboten.

Die EG-Typgenehmigung (Feld K im Fahrzeugschein)

Die EU-Typgenehmigung (früher EG-Betriebserlaubnis) stellt sicher, dass ein Fahrzeugmodell alle Sicherheits-, Umwelt- und technischen Vorgaben der Europäischen Union erfüllt. Ein Automobilhersteller lässt ein Fahrzeugmuster bei einer anerkannten Behörde (z. B. dem Kraftfahrt-Bundesamt KBA) testen. Sobald die Genehmigung erteilt ist, dürfen alle serienmäßig nach diesem Muster gebauten Fahrzeuge ohne Einzelabnahme in allen EU-Mitgliedstaaten zugelassen werden.

Wie ist eine EG-Typgenehmigungsnummer aufgebaut?

Eine typische Nummer lautet beispielsweise e1*2007/46*2064*07. Dieser Code teilt sich in vier Segmente auf:

  • Teil 1 (Erteilungsland): Das kleine e gefolgt von einer Kennziffer. e1 steht für Deutschland (KBA), e2 für Frankreich, e3 für Italien, e4 für die Niederlande und e9 für Spanien.
  • Teil 2 (Rechtsgrundlage): Die maßgebliche Rahmenrichtlinie oder Verordnung, z. B. 2007/46 (Rahmenrichtlinie für PKW) oder 2018/858 (neue EU-Typgenehmigungsverordnung ab 2020).
  • Teil 3 (Basisgenehmigung): Eine vierstellige Nummer, die das konkrete Typzertifikat bezeichnet (z. B. 2064).
  • Teil 4 (Erweiterung): Die Nummer der Überarbeitung oder des Nachtrags (z. B. 07 = 7. Erweiterung).

Wo finden Sie die Typgenehmigungsnummer und die FIN?

Sie finden beide Identifikationsmerkmale an folgenden Stellen:

  • Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein): Die FIN steht in Feld E, die Typgenehmigungsnummer in Feld K.
  • Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief): Beide Angaben stehen im Kopfbereich des Dokuments.
  • Typenschild am Fahrzeug: Ein schwarzes Metall- oder Klebeschild im Motorraum oder am Türrahmen der Fahrerseite.
  • Übereinstimmungsbescheinigung (CoC): Unter Punkt 0.10 (FIN) und 0.11 (Typgenehmigungsnummer).

EU-Fahrzeugimport: Wann reicht das CoC-Papier?

Wenn Sie ein Auto aus einem anderen EU-Land nach Deutschland importieren, hängt der Aufwand bei der Zulassungsstelle entscheidend vom Vorhandensein der EG-Typgenehmigung ab:

  • Mit CoC-Papier / EG-Typgenehmigung: Sie benötigen lediglich eine gültige Hauptuntersuchung (HU), die ausländischen Papiere, die eVB-Nummer und Ihren Ausweis. Es ist keine teure Einzelabnahme erforderlich.
  • Ohne CoC-Papier / Drittland (CH, USA, UK): Liegt keine EU-Typgenehmigung vor (z. B. bei US-Reimporten oder älteren Schweizer Fahrzeugen), muss eine Vollgutachten-Prüfung nach § 21 StVZO von einer technischen Prüfstelle durchgeführt werden.

Warum können Importfahrzeuge derzeit noch nicht online über i-Kfz zugelassen werden?

Eine der häufigsten Fragen beim Fahrzeugimport lautet: „Kann ich mein aus dem Ausland importiertes Auto direkt online über i-Kfz anmelden?“ Die Antwort lautet derzeit leider Nein.

Auch wenn die internetbasierte Fahrzeugzulassung (i-Kfz Stufe 4) die Neuzulassung und Abmeldung deutscher Fahrzeuge stark vereinfacht hat, sind Importfahrzeuge (sowohl Fabrikneufahrzeuge als auch Gebrauchtwagen aus dem Ausland) von der rein digitalen Online-Zulassung ausgeschlossen. Das hat mehrere rechtliche und technische Gründe:

  • Fehlender Eintrag im Zentralen Fahrzeugregister (ZFZR): Das Online-Portal des KBA verifiziert Fahrzeugdaten in Echtzeit mit dem ZFZR. Da ein importiertes Fahrzeug zuvor noch nie in Deutschland registriert war, existiert noch kein entsprechender Stammdatensatz im deutschen Register.
  • Keine Sicherheitscodes auf ausländischen Papieren: Für die automatische Online-Zulassung müssen verdeckte Sicherheitscodes auf der deutschen Zulassungsbescheinigung freigelegt und eingegeben werden. Ausländische Fahrzeugdokumente (z. B. aus Frankreich, Polen, den Niederlanden, Österreich oder der Schweiz) besitzen diese KBA-Sicherheitscodes nicht.
  • Manuelle Prüfung der Originalunterlagen: Der Gesetzgeber schreibt vor, dass ausländische Originalpapiere, die Übereinstimmungsbescheinigung (CoC), ggf. Zollunbedenklichkeitsbescheinigungen sowie Kaufverträge/Rechnungen (als Eigentumsnachweis) von den Sachbearbeitern der Zulassungsstelle vor Ort physisch eingesehen und eingezogen bzw. entwertet werden müssen.

Welche Optionen haben Sie für Ihren Fahrzeugimport? Für Auslandsfahrzeuge müssen Sie entweder persönlich einen Termin bei Ihrer örtlichen Zulassungsbehörde vereinbaren oder einen Zulassungsdienst mit der behördlichen Einreichung vor Ort beauftragen.

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Quellen & Referenzen

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    Amtlich
    KBA. Typdaten und EG-Typgenehmigungen

    Abgerufen am 11.08.2026

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